Die Aktie des IT-Konzerns Oracle war seit Anfang April um satte 85 % gestiegen in Erwartung auf ein erneutes Zahlenwunder. Mit Bekanntgabe der Quartalszahlen am 10. Juni wurden die Erwartungen jedoch teilweise enttäuscht. Zwar fielen die Zahlen insgesamt solide aus, allerdings waren Investoren von den Ankündigungen der neuen Finanzchefin Hilary Maxson wenig begeistert. Diese stellen erneut massiven Kapitalbedarf für weitere Investitionen in Aussicht. Die Aktie reagierte mit einem deutlichen Kurseinbruch auf die Pläne.
Frankfurt/Main, den 12.06.2026: Dass Oracle (ISIN: US68389X1054) sich vom reinen Softwareunternehmen zu einem Anbieter von KI-Infrastruktur wandeln will, war an sich nichts neues für Investoren. Neu und überraschend für viele Investoren sind allerdings die Dimensionen, in denen sich dieses Vorhaben neuerdings bewegt. Aufgrund des KI-Booms muss Oracle die Infrastruktur viel schneller und großflächiger skalieren als ursprünglich geplant. Was die Finanzchefin unter der Führung der Co-Vorstandschefs Michael D. Sicilia und Clayton Magouyrk vor hat erfordert massive Investitionen und damit eine Menge an frischem Kapital.
Laut den Plänen des Managements sollen im Geschäftsjahr 2026/27 rund 40 Mrd. USD per Aktien und Anleihen eingesammelt werden, inklusive der zuletzt angekündigten Kapitalaufnahme per Aktienemission von 20 Mrd. USD. Im Klartext: Oracle braucht zusätzlich 20 Mrd. USD, um die massiven Investitionen zu finanzieren. Allerdings sollen im Kalenderjahr 2026 zunächst keine weiteren Anleihen emittiert werden.
Die Lage beim Cashflow sieht schon jetzt wenig erfreulich aus: Zwar war jener aus dem operativen Geschäft im 4. Quartal des zum Ende Mai beendeten Geschäftsjahres 2025/2026 auf 14,6 Mrd. USD nach oben geschossen. Weil gleichzeitig aber die Investitionen kräftig gestiegen sind auf 16,5 Mrd. USD, stand ein freier Cashflow von minus 1,9 Mrd. USD zu Buche, also ein Cash-Abfluss.
Damit waren auch die Cashflow-Zahlen für das Gesamtjahr 2025/26 unerfreulich. Die Investitionen gingen um 162 % auf 55,7 Mrd. USD nach oben und lagen somit weit über den Prognosen des Managements von rund 50 Mrd. USD. Am Ende stand auch für das Gesamtjahr ein negativer freier Cashflow von minus 23,7 Mrd. USD zu Buche.
Abzüglich der Anzahlungen der Oracle-Kunden von 8,0 Mrd. USD lagen die Nettoausgaben von Oracle für Investitionen bei 47,7 Mrd. USD. Die Nettoschulden per Ende Mai stiegen deutlich auf 97,6 Mrd. USD.
Management gibt sich zuversichtlich
Bei Umsatz und Gewinn konnte Oracle hingegen punkten. Ersterer stieg im vierten Quartal 2025/26 um 21 % auf 19,18 Mrd. USD und lag damit leicht über den Schätzungen der Analysten von 19,09 Mrd. USD. Währungsbereinigt waren es immer noch 20 %. Die für Analysten und Investoren so wichtigen Erlöse im Bereich Cloud-Infrastruktur stiegen um 93 % auf 5,79 Mrd. USD und lagen damit ebenfalls leicht über den Erwartungen von 5,72 Mrd. USD.
Deutlich übetroffen wurden die Erwartungen für den bereinigten Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) und das Nettoergebnis. Das Ebit stieg um 22 % auf 8,59 Mrd. USD, erwartet wurden 8,27 Mrd. USD. Die Marge verbesserte sich von 44,2 auf 44,8 %. Der bereinigte Gewinn je Aktie legte um 24 % zu auf 2,11 USD, hier wurden 1,97 USD erwartet.
Das Management zeigte sich auf der anschließenden Analystenkonferenz zufrieden mit den Ergebnissen und gab sich zuversichtlich bezüglich des weiteren Wachstumskurses. So soll der Konzernumsatz im Q1 2026/27 um 27 bis 29 % zulegen. Außerdem soll der bereinigte Gewinn je Aktie um 17 bis 20 % auf 1,72 bis 1,76 USD klettern.
Das Management bestätigte außerdem die Erlösprognose für das Gesamtjahr 2026/27 von 90 Mrd. USD. Der Ausblick für den bereinigten Gewinn je Aktie wurde auf 8,05 USD angehoben, was einem Wachstum von 18 % entspricht.
Auch die Langfristprognose wurde vom Management bestätigt, wonach der Umsatz bis zum Ende des Geschäftsjahres 2029/30 um durchschnittlich 31 % pro Jahr steigen soll. Im gleichen Zeitraum soll der bereinigte Gewinn je Aktie um durchschnittlich 28 % pro Jahr zulegen.
So sehen die Schätzungen aus
Zuversichtlich äußerte sich das Management auch zum Auftragsbestand, der um 363 % auf 638 Mrd. USD nach oben schoss. Dabei hätten viele Großkunden für KI-Lösungen Anzahlungen für den Kauf von GPUs an Oracle geleistet, oder die Kunden hätten die GPUs selbst gekauft und sie an Oracle geliefert, so das Management.
Um die Nachfrage der Kunden bedienen zu können, muss Oracle jedoch weiterhin kräftig investieren. So sollen die Nettoausgaben für Investitionen 2026/27 auf herbe 70 Mrd. USD steigen, das entspricht einem Sprung von 46,8 %. Hinzukommen sollen Anzahlungen von Kunden von 20 bis 25 Mrd. USD. Demnach würden sich die Investitionen auf insgesamt 90 bis 95 Mrd. USD belaufen, die Mitte der Spanne bedeutet einen Anstieg um satte 66 %.
Analysten prognostizieren für das im Mai endende Fiskaljahr 2026/27 einen Umsatzanstieg um 31,9 % auf 88,9 Mrd. USD. 2027/28 soll sich das Wachstum auf 45,8 % beschleunigen, womit 129,5 Mrd. USD zu Buche stehen sollen.
Dabei soll das bereinigte Ebit 2026/7 um 25,0 % auf 36,2 Mrd. USD zulegen, gefolgt von einem Plus von 33,1 % auf 48,1 Mrd. USD für 2027/28. Damit würde die Marge allerdings deutlich nachgeben, zuerst von 42,9 auf 40,7 % für 2026/27, um 2027/28 nur mehr 37,2 % zu erreichen. Offenbar drückt der Umbau hin zum Anbieter von KI-Infrastruktur die Marge deutlich nach unten.
Wie geht’s weiter mit der Aktie?
Nach dem Kurseinbruch nach der Zahlenvorlage liegt der Börsenwert bei 527,8 Mrd. USD. Inklusive der Nettoschulden von 97,6 Mrd. USD liegt der Enterprise Value (EV) bei 625,4 Mrd. USD. Das entspricht dem 13-Fachen des von Analysten für 2027/28 vorhergesagten Ebit. Das ist unserer Meinung nach eigentlich keine zu hohe Bewertung, zumal vor dem Hintergrund, dass sich das Umsatzwachstum in den nächsten Quartalen weiter deutlich beschleunigen soll, sondern lässt eigentlich noch Spielraum nach oben bei der Bewertung.
Das Problem ist allerdings, dass sich – im Gegensatz zur Profitabilität – der freie Cashflow in den nächsten Quartalen weiter deutlich verschlechtern könnte, während gleichzeitig je nach der Nachrichtenlage aus dem Sektor Zweifel an der Nachhaltigkeit des KI-Booms aufkommen könnten. Und das KGV auf Basis der 2027/28er-Schätzungen liegt bei 17,2.
Unserer Meinung nach könnte die Oracle-Aktie kurzfristig unter Druck bleiben, weil die geplanten Kapitalaufnahme von zusätzlich 20 Mrd. USD zur Finanzierung des massiven Anstiegs der Investitionen Investoren weiter verunsichern könnte.
Für zusätzliche Turbulenzen bei dem Papier im Speziellen und bei US-Technologieaktien im Allgemeinen könnte zudem der Börsengang von SpaceX sorgen, könnten doch zahlreiche Investoren Geld für das IPO von SpaceX brauchen und dazu andere US-Tech-Aktien verkaufen.
Anschließend kommt es darauf an, ob der KI-Hype wieder zurückkehrt. Sollte er das tun, könnte auch das Oracle-Papier erneut auf Erholungskurs gehen. Allerdings wäre es dazu wichtig, dass die Hyperscaler ihre ohnehin massiven Investitionsprognosen nicht noch weiter nach oben schrauben.
Investmentidee(n) auf Oracle
Vor dem Hintergrund der beschriebenen Unternehmenssituation bieten sich Anlageformen an, die einen gewissen Sicherheitspuffer gegen Kursrückgänge einbauen. Solche Konstruktionen ermöglichen es, trotz unsicherer Rahmenbedingungen an möglichen Aufwärtsbewegungen teilzuhaben und gleichzeitig das Risiko eines direkten Kursverlusts zu reduzieren.
Das Discount-Zertifikat mit der ISIN DE000MJ9SSP7 ist zum Beispiel gut bewertet. Das Zertifikat verfügt über einen Cap (Höchstauszahlungsbetrag) bei 177,50 USD, rund 3,6% unter dem aktuellen Kurs von Oracle. Der Discount des Zertifikats im Vergleich zum Aktienkurs beträgt 19,9%. Notiert die Aktie am Bewertungstag am 18. Dezember 2026 auf oder über dem Cap, erhalten Anleger den Höchstauszahlungsbetrag. Dies entspricht einer Rendite von 20,3% (39,3% p. a.) Liegt der Kurs des Basiswerts unterhalb des Caps, erfolgt die Rückzahlung entsprechend der Kursentwicklung des Basiswerts. Der Break-even liegt bei 147,24 USD. Verluste entstehen, wenn der Basiswert bei Fälligkeit unter dieses Niveau fällt.




