Das Geschäft des weltgrößten Sportartikelherstellers Nike steht seit Längerem unter Druck. Besonders schwach läuft es in China. Auch die Maßnahmen von Vorstandschef Elliott Hill haben daran wenig geändert. Bei der Vorlage der Quartalszahlen, die am 1. Oktober veröffentlicht wurden, warnten Hill und der neue Finanzchef Dave Denton, dass der Konzernumbau noch viel Zeit brauchen werde. Die Börse reagierte zunächst mit einem herben Kursrutsch auf die Zahlen und schickte den Aktienkurs auf den tiefsten Stand der letzten 13 Jahre.
Frankfurt/Main, den 07.10.2026: Die Bilanz der jüngsten Quartalszahlen von Nike (ISIN: US6541061031) für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 fiel gemischt aus; vor allem aber enttäuschte Hills Ausblick auf das Fiskaljahr 2026/27. Für Anleger stellt sich die Frage: Wie tief kann die Aktie noch fallen – und wie viel von den schlechten Nachrichten steckt bereits im Kurs?
Im ersten Quartal des Fiskaljahres 2026/27, das Ende August auslief, sank der Konzernumsatz um 4 % auf 11,21 Mrd. US-Dollar. Viele Nike-Produkte trafen offenbar nicht den Geschmack der Konsumenten. Die Erlöse lagen leicht unter der Analystenschätzung von 11,32 Mrd. US-Dollar. Bereinigt um Währungseffekte betrug das Minus 5 %.
Im Heimatmarkt Nordamerika legten die Erlöse der Marke Nike um 2 % auf 5,1 Mrd. US-Dollar zu. In Großchina brachen sie dagegen um 22 % auf nur noch 1,2 Mrd. US-Dollar ein. Währungsbereinigt belief sich der Rückgang sogar auf 26 %. Damit bleibt die Region das größte Sorgenkind des Konzerns. Auch die Nike-Marke Jordan schwächelte erheblich.
Die Bruttomarge stieg von 42,2 auf 42,8 %. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) stagnierte bei 907 Mio. US-Dollar, während sich die EBIT-Marge von 7,7 auf 8,1 % verbesserte. Der Gewinn je Aktie ging leicht auf 0,48 US-Dollar zurück, übertraf aber die Erwartungen von 0,43 US-Dollar deutlich. Trotz der schwachen Geschäftsentwicklung schüttete Nike 610 Mio. US-Dollar an Dividenden aus.
Schwache Prognose
Für die größte Enttäuschung sorgte einmal mehr der Ausblick. Das Management erwartet für das Ende Mai auslaufende Fiskaljahr 2026/27 einen Umsatzrückgang im hohen einstelligen Prozentbereich, so das Management. Analysten hatten bislang lediglich ein Minus von 2,4 % angenommen. In China soll der Rückgang im weiteren Jahresverlauf noch stärker ausfallen als im ersten Quartal.
Bei einem Umsatzminus von 8,5 % würden die Konzernerlöse 2026/27 auf 42,9 Mrd. US-Dollar sinken. Das wäre der niedrigste Stand seit dem Fiskaljahr 2019/20, als Nike 37,4 Mrd. US-Dollar umsetzte. Zugleich dürfte das EBIT nach Einschätzung des Managements noch stärker zurückgehen als der Umsatz. Beim bereinigten Gewinn je Aktie peilt die Führung lediglich 1,15 bis 1,35 US-Dollar an, nach 2,10 US-Dollar im Vorjahr. Ein Sondereffekt verzerrt allerdings den Vergleich: Im vierten Quartal 2025/26 hatte die erwartete Rückzahlung von US-Strafzöllen den Gewinn je Aktie um 0,52 US-Dollar erhöht.
Auf die anhaltende Schwäche reagiert Nike mit einer Neuordnung seiner regionalen Geschäfte. Aus vier Einheiten werden drei. Lateinamerika wird aus dem bisherigen Bereich Asien-Pazifik & Lateinamerika herausgelöst und mit Nordamerika zusammengeführt. Das bislang eigenständige Geschäft in Großchina wird künftig mit Asien-Pazifik gebündelt. Der Bereich Europa, Naher Osten & Afrika bleibt unverändert.
Daneben hat die Konzernführung ein weiteres Kostensenkungsprogramm angekündigt. Es soll bis zum Ende des Fiskaljahres 2030/31 laufen und insgesamt 2,5 Mrd. US-Dollar einsparen. Dem stehen Belastungen von 1,0 Mrd. US-Dollar gegenüber, unter anderem für Abfindungen. Bereits 2025/26 hatte Nike entsprechende Kosten von rund 300 Mio. US-Dollar verbucht.
Aus dem neuen Programm dürften 2026/27 ebenfalls Belastungen von etwa 300 Mio. US-Dollar entstehen. Der Großteil der Einsparungen soll dagegen erst in den Fiskaljahren 2028/29 und 2029/30 wirksam werden. Für Aktionäre ist das eine Geduldsprobe: Bis die Maßnahmen spürbar greifen, werden voraussichtlich noch zwei bis drei Jahre vergehen.
So sehen die Schätzungen aus
Bislang prognostizieren Analysten für das im Mai endende Fiskaljahr 2026/27 einen Umsatzrückgang um 4,1 % auf 44,48 Mrd. US-Dollar. Für 2027/28 rechnen sie mit einer Erholung um 5,2 % auf 46,79 Mrd. US-Dollar. Beim EBIT erwarten sie für 2026/27 sogar einen Anstieg um 8,4 % auf 3,05 Mrd. US-Dollar. Im Folgejahr soll dann ein Sprung um 26,6 % auf 3,86 Mrd. US-Dollar folgen. Nach dem enttäuschenden Ausblick dürften diese Annahmen jedoch kaum Bestand haben. In den nächsten Tagen ist mit deutlichen Abwärtskorrekturen für beide Fiskaljahre zu rechnen.
Wie geht es mit der Aktie weiter?
Nach dem Kurssturz infolge der Zahlenvorlage notiert die Nike-Aktie auf dem niedrigsten Niveau seit Juli 2013 und damit auf einem Dreizehn-Jahres-Tief. Der Börsenwert beträgt nur noch 47,0 Mrd. US-Dollar. Einschließlich der Nettoschulden von 2,7 Mrd. US-Dollar ergibt sich ein Unternehmenswert, der sogenannte Enterprise Value (EV), von 49,7 Mrd. US-Dollar.
Das entspricht dem 12,9-Fachen des EBIT, das Analysten bislang für 2027/28 erwarten. Für einen Konzern mit schrumpfenden Umsätzen und seit Jahren sinkender EBIT-Marge erscheint das weiterhin anspruchsvoll. Vor der Pandemie waren Margen von 12 bis 14 % üblich. Davon ist Nike inzwischen weit entfernt: Im Fiskaljahr 2025/26 waren es nur noch 6,1 % – mit weiter fallender Tendenz.
Das Forward-KGV auf Basis der aktuellen Schätzungen für das Geschäftsjahr 2027/28 liegt beim 16,5-fachen des erwarteten bereinigten Jahresgewinns und bietet angesichts der unsicheren Erholung letztlich nur wenig Anlass zur Entwarnung. Werden die Gewinnprognosen gesenkt, fällt die Bewertung bei unverändertem Aktienkurs entsprechend höher aus.
Unserer Einschätzung nach könnte die Talfahrt der Nike-Aktie deshalb weitergehen. Das Management hat deutlich gemacht, dass eine geschäftliche Wende noch Zeit braucht. Auch die geplanten Kostensenkungen dürften erst in zwei bis drei Jahren ihre volle Wirkung entfalten. Der tiefe Kurs allein ist daher noch kein überzeugendes Signal für eine nachhaltige Erholung.
Investmentidee(n) auf Nike
Nike bleibt angeschlagen und Anleger können mit einem Discount-Put von diesem Trend profitieren. Das Papier mit der ISIN DE000VY0UZX1 ist leicht defensiv ausgestaltet und hat einen Basispreis bei 50 US-Dollar. Der Floor liegt bei 40 US-Dollar. Notiert Nike bei Fälligkeit am 19. März 2027 mindestens unterhalb des Floors, erzielen Anleger eine Rendite von 13,2 % (29,4 % p.a.). Oberhalb von 40 US-Dollar verringert sich die Rendite, der Break-even liegt bei 41,22 US-Dollar. Oberhalb des Basispreises von 50 US-Dollar entsteht ein Totalverlust.




