Der US-Aluminiumproduzent Alcoa verdoppelte im ersten Quartal 2026 den Gewinn auf 425 Mio. USD, da feste Energieverträge maximale Margen beim hohen Aluminiumpreis ermöglichten. Die Aktie verlor dennoch, weil das Logistik-Chaos in Australien und hohe Dieselkosten zu einem EBITDA-Verlust von 52 Mio. USD bei Tonerde und einem negativen Cashflow führten. Während das Management auf temporäre Sondereffekte wie Logistikstaus und Lageraufbau verweist, fürchtet der Markt eine nachhaltige Ertragsschwäche, aufgrund steigender Unsicherheit.
Frankfurt/Main, den 14.05.2026: Trotz besserer Rahmenbedingungen durch US-Strafzölle und den Iran-Konflikt – beides führt zu steigenden Aluminiumpreisen und damit zu steigenden Margen bei Alcoa – fiel die Alcoa-Aktie (ISIN: US0138721065) nach Bekanntgabe der Zahlen für das erste Quartal 2026 am 16. April in den Wochen darauf zunächst um rund 13 %. Ein wesentlicher Grund dafür war der schwache Umsatz gegenüber dem Vorquartal, der um 7,4 % auf 3,19 Mrd. USD sank und damit unter den Analystenschätzungen von 3,30 Mrd. USD lag.
Ursächlich dafür waren unter anderem verzögerte Auslieferungen von Aluminiumoxid in Australien – bedingt durch den Iran-Krieg und den Zyklon Narelle. Hinzu kam ein Minus beim operativen Cashflow von 179 Mio. USD und ein freier Cashflow von minus 298 Mio. USD (inklusive 119 Mio. USD Investitionen). CEO William F. Oplinger sieht die Auswirkungen jedoch als gut bewältigt an.
Auf der anderen Seite profitierte Alcoa von steigenden Preisen: Angriffe auf Aluminiumhütten in Abu Dhabi und Bahrain Ende März trieben die Notierungen in London auf über 3.600 USD je Tonne – ein Vier-Jahres-Hoch. 2025 wurden 5,2 Mio. Tonnen Aluminium aus dem Nahen Osten exportiert, davon 1,1 Mio. Tonnen in die USA und 1,4 Mio. Tonnen nach Europa. Entsprechend müssen Abnehmer neue Lieferquellen erschließen.
Analysten von JP Morgan warnen bereits vor einem möglichen „schwarzen Loch” im Markt – einem längeren globalen Angebotsausfall, selbst bei Wiederöffnung der Straße von Hormus. Der Preis nähert sich damit dem Rekord von 4.073,50 Dollar je Tonne aus dem Jahr 2022 (Ukraine-Krieg). Operativ zeigte sich Alcoa robust: Das bereinigte Ebitda stieg im ersten Quartal 2026 um 12,9 % auf 595 Mio. USD, die Marge verbesserte sich von 15,3 auf 18,6 %. Der Gewinn je Aktie legte um 15,7 % auf 1,40 Dollar zu, verfehlte damit jedoch die Erwartungen von 1,54 Dollar.
Ausblick und Strategie
Alcoa bestätigte die Produktions- und Absatzprognosen für 2026. Für das zweite Quartal erwartet der Konzern Belastungen von rund 15 Mio. USD im Aluminiumoxid-Geschäft, während im Aluminiumsegment positive Effekte von 55 Mio. USD anfallen sollen – auch wegen verschobener Auslieferungen. Zudem wurde das Werk im spanischen San Ciprián im April 2026 wieder hochgefahren.
Gegenwind kommt von US-Strafzöllen auf Aluminium aus Kanada, weil Alcoa dort seine größten und effizientesten Schmelzen hat, die fast ausschließlich für den US-Markt produzieren. Seit die Zölle im Juni 2025 auf 50 % verdoppelt wurden, wird Aluminium aus Kanada beim Grenzübertritt in die USA so extrem besteuert, dass der Zoll-Schaden den Preisvorteil auffrisst. Im zweiten Quartal soll sich die Belastung dadurch erneut um 35 Mio. USD erhöhen.
Finanziell setzt Alcoa auf Entschuldung: Im Mai sollen Anleihen im Volumen von 219 Mio. USD (Fälligkeit 2028) vorzeitig zurückgezahlt werden. Die Nettoschulden lagen zuletzt bei 1,8 Mrd. USD und sollen in die Zielspanne von 1,0 bis 1,5 Mrd. USD sinken. Positiv: 99 % des Strombedarfs sind langfristig abgesichert, sodass kurzfristige Preissprünge kaum belasten.
Analystenschätzungen: Wachstum mit Fragezeichen
Für 2026 erwarten Analysten ein Umsatzplus von 15,1 % auf 14,77 Mrd. USD. 2027 dürfte das Wachstum mit plus 0,8 % auf 14,89 Mrd. USD deutlich abflachen. Das bereinigte Ebitda soll 2026 um 63,7 % auf 3,25 Mrd. USD steigen, 2027 jedoch um 4,0 % auf 3,12 Mrd. USD zurückgehen.
Das Ebit dürfte sich 2026 auf 2,65 Mrd. USD nahezu verdoppeln und 2027 leicht auf 2,61 Mrd. USD sinken. Die Marge würde von 10,6 auf 17,9 % steigen und 2027 auf 17,5 % zurückgehen. All diese Prognosen sind mit hoher Unsicherheit behaftet – insbesondere wegen des schwer kalkulierbaren Verlaufs des Iran-Kriegs und der Aluminiumpreise.
Bewertung und Ausblick der Aktie
Nach dem Kursrückgang liegt der Börsenwert bei 17,3 Mrd. USD, der Enterprise Value bei 18,9 Mrd. USD (inklusive 1,6 Mrd. USD Nettoschulden). Das entspricht dem 7,2-Fachen des für 2027 erwarteten Ebit. Auch das 2027er-KGV liegt mit 10,2 auf einem niedrigen Niveau – ein Zeichen für die Skepsis der Investoren.
Kurzfristig dürfte die Aktie stark von der Situation am Persischen Golf abhängen: Hält die Krise an, könnten Aluminiumpreise und damit auch die Aktie weiter steigen. Bei einem Ende des Konflikts wird entscheidend sein, wie lange die Schäden im Nahen Osten das Angebot verknappen.
Investmentidee(n) auf Alcoa
Für Anleger, die vor dieser Situation profitieren wollen, bietet sich ein Discount-Zertifikat an, da sie von einer Seitwärtstendenz wie sie bei Alcoa zuletzt eingetreten ist, profitieren. Das Papier mit der ISIN DE000MN3ZFF7 ist attraktiv bewertet und verfügt über einen Cap (Höchstauszahlungsbetrag) bei 60 USD. Notiert die Alcoa-Aktie am Bewertungstag am 18. Dezember 2026 auf oder über dem Cap, erhalten Anleger den Höchstauszahlungsbetrag. Dies entspricht einer Rendite von 14,9% (24,9% p. a.) Liegt der Kurs des Basiswerts unterhalb des Caps, erfolgt die Rückzahlung entsprechend der Kursentwicklung des Basiswerts. Der Break-even liegt bei 52,16 USD. Verluste entstehen, wenn der Basiswert bei Fälligkeit unter dieses Niveau fällt.




