Die Übernahme des Glyphosat-Herstellers Monsanto im Juni 2018 hat in den darauffolgenden Jahren bei Bayer Belastungen durch Rechtsstreitigkeiten von mehr als 10 Mrd. USD verursacht und damit eine jahrelange Talfahrt der Aktie. Während Vorstandschef Bill Anderson das Geschäft restrukturiert, hatten Investoren mit Spannung auf die Entscheidung des Obersten Gerichts der USA gewartet. Mit einem Kurssprung von rund 20 % hat die Bayer-Aktie am 25. Juni auf eine langerwartete Entscheidung des Obersten Gerichts der USA reagiert.
Frankfurt/Main, den 28.06.2026: Es war der stärkste Kursanstieg seit März 2003, den die Aktie des Leverkusener Life-Science-Konzerns Bayer (ISIN: DE000BAY0017) am 25. Juni aufs Börsenparkett gebracht hat. Mit Kursen von um die 46,50 EUR notierte das Papier damit in der Nähe des Viereinhalb-Monats-Hochs, allerdings noch meilenweit unter dem Rekordhoch vom April 2015 bei 146 EUR.
Der Grund für den massiven Kursanstieg war ein wegweisendes Urteil des Obersten Gerichtshofs der USA (US Supreme Court) im jahrelangen Glyphosat-Rechtsstreit. Laut dem Urteil des Obersten Gerichts kann Bayer nicht wegen fehlender Krebswarnungen auf Verpackungen von Unkrautvernichtern verklagt werden. Das Gericht berief sich darauf, dass in den USA von der Regierung einheitliche Markierungen von der Umweltbehörde EPA vorgeschrieben seien – damit könne es keine abweichenden Anforderungen einzelner Bundesstaaten geben.
Signifikante Eindämmung der Rechtsstreitigkeiten
Das Gericht entschied mit sieben zu zwei Stimmen, dass die Zulassungsvorgaben der EPA Vorrang vor dem Recht einzelner Bundesstaaten hätten. Tausenden Klagen im Zusammenhang mit dem Glyphosathaltigen Unkrautvernichter Roundup dürfte damit die Grundlage entzogen werden. Bayer hatte wiederholt ein Krebsrisiko von Roundup verneint. Die EPA hatte mehrfach angekündigt, sie gehe nicht davon aus, dass der Unkrautvernichter Krebs bei Menschen verursache.
„Die Entscheidung dürfte dazu führen, dass aktuelle Klagen abgewiesen und mögliche künftige Klagen verhindert werden – soweit sie auf angeblich fehlenden Warnhinweisen beruhen”, schrieb Bayer in einer ersten Stellungnahme zum Urteil des Gerichts. „Monsanto strebt weiterhin die finale Genehmigung des angekündigten Sammelvergleichs an und setzt die mehrgleisige Strategie zur signifikanten Eindämmung der Rechtsstreitigkeiten zu Roundup weiter fort”, so Bayer weiter.
Im Februar 2026 hatte Monsanto mit Klägeranwälten einen Sammelvergleich zur Beilegung der Rechtsstreitigkeiten zu Roundup in den USA geschlossen. Mit der langfristigen Vereinbarung sollen sowohl anhängige als auch mögliche künftige Klagen beigelegt werden, bei denen es um geltend gemachte Erkrankungen am Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) geht. Monsanto hatte bereits dargelegt, dass der Sammelvergleich und der Fall beim Supreme Court unabhängig voneinander notwendige und sich gegenseitig verstärkende Elemente der mehrgleisigen Strategie sind.
Der Sammelvergleich wurde bereits vorläufig genehmigt und soll zusammen mit dem positiven jetzigen Urteil maßgeblich dazu beitragen, dass die Rechtsstreitigkeiten signifikant eingedämmt werden können, schrieb Bayer in einer zweiten Pressemeldung.
Bei dem 7,25 Mrd. USD schweren Sammelvergleich hatten Kläger bis zum 4. Juni Zeit, um gegenüber Bayer bekanntzugeben, ob sie ihm zustimmen, oder nicht. Bei der Vorlage der Zahlen zum ersten Quartal am 12. Mai hatte das Management von Bayer angekündigt, dass es etliche Wochen dauern werde, bis die Ergebnisse des Sammelvergleichs vorliegen würden. Nun warten Investoren darauf, dass die Ergebnisse publik gemacht werden.
Bayer hat durch das Urteil des Obersten Gerichts der USA zwar einen wichtigen Meilenstein erreicht, das schließt laut der Einschätzung von Experten allerdings nicht aus, dass es künftig zu weiteren Klagen wegen Glyphosat kommen könnte. Mögliche Kläger haben lediglich wegen des Nichtvorhandensein des Warnhinweises keine Aussicht mehr auf Erfolg vor Gericht, hingegen könne es andere Klagegründe geben.
Währungsbereinigte Prognose bestätigte
Nach der Entscheidung des Obersten Gerichts rücken die Zahlen für das am 31. März abgeschlossene erste Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2026 in den Hintergrund. Der Umsatz war um 2,4 % auf 13,41 Mrd. EUR gesunken und lag damit haarscharf unter den Schätzungen der Analysten von 13,44 Mrd. EUR, währungs- und portfoliobereinigt stand allerdings ein Anstieg um 4,1 % zu Buche.
Der bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg um 9 % auf 4,45 Mrd. EUR, womit die Erwartungen von 3,93 Mrd. EUR deutlich übertroffen wurden. Die drei Geschäftsbereiche entwickelten sich dabei recht unterschiedlich. Der Bereich Crop Science (Agrochemie) erfreute sich guter Nachfrage nach Maissaatgut, wohingegen das Geschäft mit Pflanzenschutzmitteln rückläufig war. Das bereinigte Ebitda des Segments legte deutlich zu auf 3,0 Mrd. EUR, begünstigt durch einen Zahlungseingang von 448 Mio. EUR aus einem Rechtsstreit mit dem US-Konkurrenten Corteva.
Beim zweiten Bereich, Pharmaceuticals, ist das bereinigte Ebitda hingegen deutlich gesunken auf 1,2 Mrd. EUR. Umsatzrückgänge wegen Patentabläufen beim Gerinnungshemmer Xarelto und dem Augenmedikament Eylea waren die wesentlichen Gründe. Das Minus konnte auch durch deutliche Umsatzzuwächse bei Nubeqa (Krebsmedikament) und Kerendia (Behandlung von chronischen Nierenerkrankung in Verbindung mit Typ-2-Diabetes sowie Herzinsuffizienz) nicht wettgemacht werden. Außerdem sank das bereinigte Ebitda im Bereich mit rezeptfreien Medikamenten (Consumer Health) leicht auf 337 Mio. EUR.
Bei der Zahlenvorlage hatte das Management die währungsbereinigte Prognose für das Gesamtjahr 2026 bestätigt. Demnach soll bei einem Umsatz zwischen 45 und 47 Mrd. EUR ein bereinigtes Ebitda von 9,6 bis 10,1 Mrd. EUR erwirtschaftet werden.
Der Ausblick für die nominelle Prognose wurde vom Management hingegen leicht angehoben. Gegenüber den vorherigen Angaben wurden die Ziele für den Umsatz von 44 bis 46 Mrd. EUR auf 44,5 bis 46,5 Mrd. EUR angehoben und jene für das bereinigte Ebitda von 9,1 bis 9,6 Mrd. EUR auf 9,4 bis 9,9 Mrd. EUR.
So sehen die Schätzungen aus
Analysten prognostizieren für 2026 einen stabilen Umsatz von 45,56 Mrd. EUR, 2027 soll es dann um 2,5 % auf 46,7 Mrd. EUR nach oben gehen. Dabei soll das bereinigte Ebitda 2026 zunächst leicht sinken auf 9,6 Mrd. EUR, 2027 soll es dann jedoch wieder deutlich zulegen auf 10,2 Mrd. EUR.
Der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) für 2026 soll um 12 % auf 5,7 Mrd. EUR klettern und für 2027 wird ein ebenso deutlicher Anstieg auf 6,4 Mrd. EUR erwartet. Nach drei Jahren in Folge mit jeweils einem mehr oder minder starken Margenrückgang, würde sich die Marge damit wieder deutlich verbessern von 11,2 auf 12,6 % für 2026, gefolgt von 13,8 % für 2027. Das läge allerdings immer noch weit unter dem Niveau früherer Jahre, so waren es beispielsweise 2017 20,4 %, gefolgt von 16,4 % für 2018.
Wie geht’s weiter mit der Aktie?
Nach dem Kurssprung liegt der Börsenwert bei 46,5 Mrd. EUR. Inklusive der Nettoschulden von 32,5 Mrd. EUR liegt der Enterprise Value (EV) bei 79,0 Mrd. EUR. Das entspricht dem 12,3-Fachen des von Analysten für 2027 prognostizierten Ebit, während das Forward-KGV für 2027 aktuell bei 9,9 liegt. Unserer Meinung nach ist das eigentlich eine ausreichende Bewertung für ein Unternehmen, das mitten in der Restrukturierung steckt, mit einem Pharmasegment, das aktuell deutlich unter Druck steht.
Viel von den guten Nachrichten scheint bereits eingepreist und die Aktie könnte erst einmal seitwärts tendieren, zumindest bis die Ergebnisse des Sammelvergleichs vorliegen. Wenn das der Fall sein wird und sich möglicherweise viele Kläger für die Annahme des Vergleichs entschieden haben sollten, wodurch die Rechtsrisiken für Bayer weiter erheblich abnehmen würden, könnte das Papier nachhaltig nach oben drehen. Allerdings müsste sich dazu die Geschäftsentwicklung gerade im Pharmabereich verbessern.
Investmentidee(n) auf Bayer AG
Vor diesem Hintergrund sind defensive Discount-Zertifikate eine Alternative zu einem direkten Bayer-Investment. Das Papier mit der ISIN DE000MN6Y4A0 hat einen Cap (Höchstauszahlungsbetrag) von 45 EUR, der mit 4 % leicht unter dem aktuellen Aktienkurs liegt. Der Discount des Zertifikats im Vergleich zum Aktienkurs beträgt 13,1%.
Notiert die Aktie am Bewertungstag am 18. Dezember 2026 auf oder über dem Cap, erhalten Anleger den Höchstauszahlungsbetrag. Dies entspricht einer Rendite von 10,2% (21,3% p. a.) Liegt der Kurs des Basiswerts unterhalb des Caps, erfolgt die Rückzahlung entsprechend der Kursentwicklung des Basiswerts. Der Break-even liegt bei 40,74 EUR. Verluste entstehen, wenn der Basiswert bei Fälligkeit unter dieses Niveau fällt.




