Um 12,6 % ist die Broadcom-Aktie am 4. Juni eingebrochen, nachdem der US-Chipkonzern am Vorabend nach Börsenschluss in den USA die Quartalsergebnisse veröffentlicht hatte. Das war der größte Kursrutsch seit Januar 2025. Der US-Chipkonzerns hatte sich in den vergangenen Quartalen als einer der Herausforderer von Nvidia positioniert. Im Zuge des KI-Hypes war daher der Börsenwert von Broadcom in den fünf Tagen vor der Zahlenvorlage um rund 270 Mrd. USD gestiegen. Umso enttäuschter waren Investoren nach der Zahlenvorlage.
Frankfurt/Main, den 06.06.2026: Im Gegensatz zu den Ergebnissen etlicher anderer US- und ausländischer Chipfirmen lagen jene von Broadcom (ISIN: US11135F1012) lediglich weitgehend im Rahmen der Erwartungen, während der Ausblick von Vorstandschef Hock Tan die Sorge geschürt hat, dass Broadcom möglicherweise nicht so sehr vom KI-Boom profitiert, wie Investoren bislang gewettet hatten. Im per 3. Mai beendeten zweiten Quartal des Fiskaljahres 2025/26 ist der Umsatz um 48 % auf den Rekord von 22,19 Mrd. USD gestiegen. Das lag allerdings leicht unter den Schätzungen der Analysten von 22,27 Mrd. USD.
Wachstumsmotor war einmal mehr das Geschäft mit Chips und Netzwerktechnik. Dabei waren die Erlöse mit KI-Chips und -Netzwerktechnik diesmal um 143 % auf 10,8 Milliarden angestiegen, womit die Erwartungen von 10,7 Mrd. USD allerdings nur minimal übertroffen wurden. Zudem war der Auftragseingang für diese Chips auf mehr als 30 Mrd. USD nach oben geschossen – das ist fast das Dreifache des Umsatzes.
Der Umsatz mit herkömmlichen Halbleitern und Netzwerktechnik kletterte um 6 % auf 4,2 Mrd. USD, während der zweite Geschäftsbereich – Infrastruktursoftware – ein Einnahmeplus von 9 % auf 7,2 Mrd. USD verzeichnete. Der bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) legte auf Konzernebene um 52 % auf den Rekord von 15,2 Mrd. USD zu. Damit hat sich die Marge deutlich verbessert von 66,7 auf 68,7 %. Schlussendlich ist der bereinigte Gewinn je Aktie um 54 % auf 2,44 USD gestiegen, das lag leicht über den Erwartungen von 2,39 USD.
Die Entwicklung beim Cashflow sah ebenfalls erfreulich aus. Jener aus dem operativen Geschäft ist um 60 % auf 10,5 Mrd. USD geklettert. Abzüglich der Investitionen von lediglich 231 Millionen USD stand ein Free Cashflow von 10,3 Mrd. USD zu Buche – das war ein neuer Rekord und zugleich ein Anstieg um 60 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Enttäuschender Ausblick
Bei der Zahlenvorlage zeigte sich CEO Hock E. Tan zufrieden mit den Ergebnissen, gab allerdings einen verhaltenden Ausblick ab. Demnach soll der Umsatz im dritten Quartal 2025/26 um 84 % auf 29,4 Mrd. USD steigen, das lag leicht über den Erwartungen von 28,6 Mrd. USD.
Dabei sollen die Einnahmen mit KI-Chips und -Netzwerktechnik um mehr als 200 % auf 16,0 Mrd. USD zulegen, damit wurden die Erwartungen von 17,2 Mrd. USD jedoch deutlich verfehlt. Die bereinigte Ebitda-Marge auf Konzernebene soll rund 68 % erreichen. Auf der Analystenkonferenz verwies das Management auf die Aufträge von Google, OpenAI, Anthropic und Meta Platforms, die in den nächsten Quartalen das Geschäft von Broadcom zusehends beflügeln sollen.
Zudem habe die Firma Aufträge von 6,0 Mrd. USD von zwei neuen Kunden an Land gezogen, deren Namen Broadcom allerdings nicht nennen wollte. Vor dem Hintergrund habe der Konzern eine zunehmende Visibilität bis ins Fiskaljahr 2027/28 hinein. Das Management bestätigte auch die KI-Prognose für die Fiskaljahre 2025/26 und 2026/27. Demnach soll der Umsatz mit KI-Chips und -Netzwerktechnik 2025/26 um 180 % auf 56 Mrd. USD zulegen. 2026/27 soll es auf mehr als 100 Mrd. USD nach oben gehen, was einen Zuwachs von mindestens 78,6 % bedeutet.
Das alles half aber nichts, Investoren haben sich offenbar auf die enttäuschende KI-Prognose für das laufende Quartal fokussiert, was angesichts der hohen Bewertung der Aktie für einen Kurseinbruch gesorgt hat. Bei einer derart hohen Bewertung darf man Investoren nicht enttäuschen, ansonsten folgt zwangsläufig ein Kursrutsch.
So sehen die Schätzungen aus
Analysten prognostizieren für das im November endende Fiskaljahr 2025/26 einen Umsatzanstieg von 65,8 % auf den Rekord von 105,93 Mrd. USD. 2026/27 soll es um 59,8 % auf 169,23 Mrd. USD nach oben gehen. Dabei soll das bereinigte Ebitda 2025/26 um 66,6 % auf den Rekord von 71,6 Mrd. USD zulegen, gefolgt von einem Plus von 64,1 % auf 117,6 Mrd. USD für 2026/27.
Außerdem soll der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) 2025/26 um 68,7 % auf den Rekord von 70,8 Mrd. USD klettern, gefolgt von einem Zuwachs um 63,3 % auf 115,6 Mrd. USD für 2026/27. Damit würde die Marge zuerst von 65,7 auf 66,9 % für 2025/26 steigen, um 2026/27 sogar 68,3 % zu erreichen.
Wie geht’s weiter mit der Aktie?
Nach dem Kursrutsch nach der vorherigen Rekordfahrt liegt der Börsenwert bei 1,98 Billionen USD. Inklusive der Nettoschulden von 45,3 Mrd. USD liegt der Enterprise Value (EV) bei 2,03 Billionen USD. Das entspricht dem 17,5-Fachen des von Analysten für 2026/27 prognostizierten Ebit. Die hohe Bewertung zeigt, welch massives Wachstum in der Aktie eingepreist ist.
Zum Vergleich: das Ebit-Multiple für Nvidia für das im Januar endende Fiskaljahr 2027/28 liegt bei 14,5. Anders ausgedrückt: Broadcom ist mit einem Aufschlag von mehr als 20 % im Vergleich zu Nvidia bewertet. Und das KGV für Broadcom auf Basis der 2026/27er-Schätzungen liegt bei 22,2.
Unserer Meinung nach könnten Investoren etwas Zeit brauchen, um die enttäuschende Nachricht zu verdauen, weshalb die Aktie kurzfristig unter Druck stehen könnte. Sollten anschließend allerdings die erfreulichen Nachrichten in dem Sektor weitergehen, weil die führenden Unternehmen untereinander weitere Kooperationen ankündigen und neue Aufträge vergeben, könnte die Rekordfahrt bei vielen Papieren aus dem Sektor weitergehen, was auch das Broadcom-Papier wieder beflügeln dürfte.
Investmentidee(n) auf Broadcom
Vor dem Hintergrund möglicher Rückschläge, sind für vorsichtige Anleger Investments mit einem Sicherheitspuffer angemessen. Hier gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, wobei das Discount-Zertifikat mit der ISIN DE000MM839R6 gut bewertet ist. Das Zertifikat verfügt über einen Cap (Höchstauszahlungsbetrag) bei 350 USD, rund 9,3% unter dem aktuellen Kurs von Broadcom.
Der Discount des Zertifikats im Vergleich zum Aktienkurs beträgt 20,5%. Notiert die Aktie am Bewertungstag am 18. Dezember 2026 auf oder über dem Cap, erhalten Anleger den Höchstauszahlungsbetrag. Dies entspricht einer Rendite von 14,1% (26,2% p. a.) Liegt der Kurs des Basiswerts unterhalb des Caps, erfolgt die Rückzahlung entsprechend der Kursentwicklung des Basiswerts. Der Break-even liegt bei 306,75 USD. Verluste entstehen, wenn der Basiswert bei Fälligkeit unter dieses Niveau fällt.




