Der Autobauer stemmt sich mit massiven Kostensenkungen gegen ein zunehmend schwieriges Umfeld. Mit dem Iran-Konflikt und den damit verbundenen steigenden Ölpreisen trüben sich die Aussichten für die deutschen Autohersteller wie Volkswagen weiter ein. Je länger die geopolitischen Spannungen anhalten, desto deutlicher dürfte sich das Konsumklima abkühlen. Umso wichtiger ist es für den Wolfsburger Konzern, die eingeleitete Restrukturierung konsequent fortzusetzen, um die schwachen Ergebnisse nachhaltig zu verbessern.
Frankfurt/Main, den 01.04.2026: Der Blick in die Bilanz verrät: Volkswagen hat Probleme. Im vierten Quartal sank der Umsatz um 4,7 % auf 83,25 Mrd. Euro und lag damit deutlich unter den Analystenschätzungen von 85,75 Mrd. Euro. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) brach um 44,6 % auf 3,46 Mrd. Euro ein, wodurch die Marge von 7,2 auf 4,2 % zurückging. Auch hier wurden die Erwartungen von 4,02 Mrd. Euro klar verfehlt.
Für das Gesamtjahr ergibt sich ein entsprechend schwaches Bild: Der Umsatz ging um 0,8 % auf 321,91 Mrd. Euro zurück. Das Ebit brach sogar um 53,5 % auf 8,87 Mrd. Euro ein, wodurch die Marge von 5,9 auf nur noch 2,8 % fiel. Belastet wurde das Ergebnis durch Sondereffekte in Höhe von 8,8 Mrd. Euro. Davon entfielen 4,7 Mrd. Euro auf die Restrukturierung der Porsche AG sowie 2,9 Mrd. Euro auf US-Strafzölle. Bereinigt um diese Effekte hätte die Marge bei 4,6 % gelegen, ohne Berücksichtigung der Strafzölle sogar bei 5,5 %.
Besonders schwach entwickelte sich das China-Geschäft, in dem Volkswagen zunehmend unter Druck durch lokale Wettbewerber gerät. Das Ebit brach dort um 45 % auf lediglich 958 Mio. Euro ein. Für 2026 wird ein weiterer Rückgang auf 200 bis 600 Mio. Euro erwartet. Zum Vergleich: 2022 lag das operative Ergebnis in China noch bei 3,2 Mrd. Euro. Beim Cashflow des Automobilgeschäfts (ohne Finanzsparte) zeigte sich 2025 ein gemischtes Bild: Der operative Cashflow sank um 8,3 % auf 31,4 Mrd. Euro. Nach Investitionen von 25,0 Mrd. Euro stieg der freie Cashflow hingegen um 24,3 % auf 6,4 Mrd. Euro.
Gedämpfter Ausblick
Im Rahmen der Zahlenvorlage am 10. März gab Vorstandschef Oliver Blume einen vorsichtigen Ausblick. Die Auslieferungen sollen in etwa auf dem Vorjahresniveau von 9,0 Mio. Fahrzeugen stagnieren. Beim Umsatz erwartet der Konzern ein Wachstum von 0 bis 3 %. Analysten hatten zuvor 330,7 Mrd. Euro prognostiziert (+2,7 %), ihre Schätzungen inzwischen jedoch auf rund 330,4 Mrd. Euro reduziert.
Die Ebit-Marge soll laut Blume zwischen 4,0 und 5,5 % liegen. Der Mittelwert von 4,75 % liegt nur knapp über dem bereinigten Vorjahresniveau von 4,6 % und deutlich unter den bisherigen Markterwartungen von 5,2 % (entsprechend etwa 17,3 Mrd. Euro Ebit). Inzwischen wurden auch diese Schätzungen auf rund 17,0 Mrd. Euro gesenkt.
Belastend wirkt dabei insbesondere der Hochlauf des margenärmeren Elektroauto-Geschäfts. Zudem erwartet das Management einen Rückgang des freien Cashflows im Automobilgeschäft auf 3 bis 6 Mrd. Euro, nach 6,4 Mrd. Euro im Jahr 2025. Auch die langfristigen Ziele wurden angepasst: Die angestrebte Ebit-Marge für 2030 wurde auf 8 bis 10 % gesenkt, nachdem zuvor 9 bis 11 % angepeilt worden waren.
Zwar hat sich das Marktumfeld seit dem Kapitalmarkttag am 21. Juni 2023 deutlich verschlechtert – insbesondere durch den intensiveren Wettbewerb in China und die US-Strafzölle. Dennoch stellt sich die Frage nach der Verlässlichkeit langfristiger Zielsetzungen in einem zunehmend volatilen Umfeld. Mittelfristige Ziele mit einem Horizont von drei Jahren hätten hier möglicherweise eine höhere Aussagekraft geboten.
Angesichts des massiven Margenrückgangs in den vergangenen Jahren erscheint es ambitioniert, bis 2030 wieder eine Marge von mindestens 8 % zu erreichen. Sollte Volkswagen 2026 tatsächlich eine Marge von 4,75 % erzielen, müsste diese in den Folgejahren durchschnittlich um rund 0,8 Prozentpunkte pro Jahr steigen – ein anspruchsvolles Szenario vor dem Hintergrund anhaltend hohen Wettbewerbsdrucks.
Wie geht es weiter mit der Aktie?
Der Börsenwert liegt aktuell bei rund 45,5 Mrd. Euro. Einschließlich Nettoschulden von 178,5 Mrd. Euro ergibt sich ein Enterprise Value (EV) von 224,0 Mrd. Euro. Dies entspricht etwa dem 13-Fachen des von Analysten für 2026 erwarteten Ebit – ein Hinweis darauf, dass bereits ein gewisses Wachstum in der Bewertung eingepreist ist. Gleichzeitig besteht das Risiko, dass sich die Umsatzprognosen als zu optimistisch erweisen, insbesondere wenn sich die geopolitische Lage weiter verschärft. Dies könnte zusätzlichen Druck auf die Profitabilität ausüben. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für 2026 liegt bei 4,3.
Nach dem jüngsten Rückgang in die Nähe eines Elf-Monats-Tiefs konnte sich die Vorzugsaktie zwar etwas erholen, notiert jedoch weiterhin auf einem Niveau wie zuletzt im Oktober 2010 beziehungsweise im September 2007.
Aus heutiger Sicht dürfte die Aktie weiterhin zu deutlichen Schwankungen neigen und sich tendenziell seitwärts entwickeln. Dabei könnten die langfristigen Tiefstände im Bereich von rund 80 Euro wieder in den Fokus rücken.
Entsprechend bleibt zu hoffen, dass sich die geopolitischen Spannungen zeitnah entspannen und sich die Perspektiven nicht nur für Volkswagen, sondern auch für die deutschen Wettbewerber Mercedes-Benz Group und BMW wieder aufhellen.
Investmentidee(n) auf Volkswagen
Für Anleger mit einer vorsichtigen Chancenausrichtung bietet sich ein Discount-Zertifikat an, etwa das Papier mit der ISIN DE000SX6PT86. Das Zertifikat verfügt über einen Cap (Höchstauszahlungsbetrag) bei 80 Euro. Notiert die VW-Aktie am Bewertungstag am 18. September 2026 auf oder über dem Cap, erhalten Anleger den Höchstauszahlungsbetrag. Dies entspricht einer Rendite von 7,9% (17,0% p. a.) Liegt der Kurs des Basiswerts unterhalb des Caps, erfolgt die Rückzahlung entsprechend der Kursentwicklung des Basiswerts. Der Break-even liegt bei 74,14 Euro. Verluste entstehen, wenn der Basiswert bei Fälligkeit unter dieses Niveau fällt.




